Ganz ohne Tam-Tam: Öffentliche Sitzung zum Aschermittwoch fand Anklang
Für die Freie Wählergemeinschaft Lugau war es ein Testballon – und er ist geflogen. Zum Aschermittwoch 2026 hatte die FWG in das Victoriastübel eingeladen, um mit den Einwohnern ins Gespräch zu kommen. Dabei kamen durchaus auch überraschende Themen zur Sprache.
Zunächst gab Fraktionsvorsitzender Andreas Dietz aber einen Einblick in die Arbeit der Freien Wählergemeinschaft und Lugaus erster stellvertretender Bürgermeister zeigte den Gästen, wie es um die finanzielle Lage der Stadt steht. Insbesondere der Haushalt 2026 stand dabei im Fokus. Zusammenfassend: Lugau steht auf soliden Füßen. Doch die politische Lage ist instabil. Zukünftig müssen Bund und Land erkennen, dass die kommunale Familie mehr finanzielle Unterstützung braucht. Nach Plan 2026 schließt der Ergebnishaushalt, aus dem die laufenden Ausgaben ohne die Investitionen bestritten werden müssen, mit einem dicken Minus von gut 1,6 Mio Euro. Und auch der Finanzhaushalt, also der Teil, aus dem Investitionen bezahlt werden, wird am Ende des Jahres tief in den roten Zahlen sein: ein Minus von knapp 1,8 Mio Euro. Noch aber kann die Stadt die Fehlebträge aus den eigenen Rücklagen stemmen. Doch auch die sind irgendwann aufgebraucht, wenn sich die Zuweisungen von Bund und Land nicht in die Höhe entwickeln.
Stadtrat Rico Folgner informierte über die Informationskanäle der Stadt. Homepage, Facebook und Instagram, ein WhatsApp-Kanal und die App Munipolis werden dafür genutzt. Eine Zusammenfassung bietet der monatliche Lugauer Anzeiger.
In der Gesprächsrunde meldete sich eine Lugauerin, die das sensible Thema der Migration ansprach. Sie und eine weitere anwesende Lugauerin sind in einem Helferkreis engagiert, der bereits 2015 gegründet wurde. Sie sehen ihre Aufgabe in der Unterstützung von Geflüchteten, die in Lugau, Erlbach-Kirchberg oder Ursprung angekommen sind. Und sie arbeiten noch immer, allerdings weitgehend unbemerkt und „unter dem Radar“. Der Grund: „Die fröhlichen Helferlinge“, wie sie sich selbst nennen, erfahren immer mehr eine Veränderung in der Akzeptanz ihrer Arbeit. Sie wollen darum die öffentliche Sitzung der FWG einmal nutzen, in einem geschützten Rahmen über ihre Arbeit zu informieren und ein Lebenszeichen zu senden. Sie werden sich weiterhin engagieren, aber eben ohne große externe Öffentlichkeitsarbeit. Intern seien sie gut vernetzt. Aktuell betreuen sie 45 Geflüchtete aus der Ukraine. – Die Freie Wählergemeinschaft Lugau, so der Konsens bei den Mitgliedern, könne dahingehend unterstützen, dass bei Bedarf der Kontakt zum Helferkreis hergestellt werden kann.
Eine weitere Frage eines Niederlugauers beschäftigte sich mit dem Energiemanagement und der Wärmeplanung. Er frage sich, wie weit denn diese Planungen gediehen seien und wann endlich erste Ergebnisse umgesetzt und sichtbar würden. Es könne doch nicht sein, dass in diesen ernsten Zeiten Planungsprozesse so viel Zeit in Anspruch nehmen.
Andreas Dietz erläuterte dazu, dass dies Prozesse sind, die einen genormten Ablauf haben. Diese sind von den verantwortlichen Stellen in Bund und Land vorgegeben und lassen sich von städtischer Seite kaum beschleunigen. Die Stadt hat aber einen Energiemanager, der sich hauptamtlich mit diesen Fragen beschäftigt. Die Zusammenstellung der notwendigen Daten ist darin eine Mammutaufgabe. Diese ist aber schon sehr weit fortgeschritten und einzelne Maßnahmen zur Energieeinsparung sind auch schon umgesetzt. Hinsichtlich der Wärmeplanung ist eine Firma aus Leipzig beauftragt. Knapp 79.000,- Euro wird das Werk kosten, zu 90 Prozent gefördert vom Bundesumweltministerium. Spätestens am 30.06.2028 muss die Kommunale Wärmeplanung vorliegen, so schreibt es das Wärmeplanungsgesetz vor. Dietz hofft aber, dass der Stadtrat die Unterlagen schon weit vorher bekommt.
Eine weitere Lugauerin schüttelte darüber nur mit dem Kopf. Sie frage sich, wie sinnvoll einige Maßnahmen seien und verwies u.a. auf die unbefriedigende Heizungs- und Lüftungssituation in der Turnhalle der Grundschule. Im Sommer läuft die Heizung, man bekomme die Wärme einfach nicht raus, weil ja auch das Öffnen der Fenster unterbunden wurde, im Winter friere man. Sie stelle sich die Frage, wie sinnvoll Maßnahmen sind, die vielleicht theoretisch gut aussehen, sich in der Praxis aber als völlig inakzeptabel erweisen. Und die Nutzer mit ihren Anliegen dazu würden weitgehend ignoriert. In Lugau fehle es am Willen, Betroffene und Verantwortliche einmal gemeinsam an einen Tisch zu bringen.
Dass an einem solchen Abend dafür keine Lösung gefunden werden kann, sollte, so die FWG-Mitglieder übereinstimmend, klar sein. Aber, das Thema kann zur nächsten Beratung des Ältestenrates, die jeweils vor den Stadtratssitzungen stattfindet, mit auf den Tisch kommen. Die Fraktion glaubt daran, so eine schnelle und für alle befriedigende Lösung herbeizuführen.
Und ein weiteres Thema brennt den Einwohnern unter den Nägeln: die Öffentlichkeitsarbeit der Stadtverwaltung. Die sei eine Katastrophe. Denn, was nützen die ganzen Kanäle und Möglichkeiten, wenn sie nur selten zur Information genutzt werden? Auf der Homepage werden neben den allgemeinen Infos nur spärlich aktuelle Inhalte geboten – und dann auch noch schlecht aufbereitet. Und bei den sonstigen Kanälen wisse man nie, was wo gepostet werden könnte.
Stadtrat Sven Schimmel, bei der FWG gemeinsam mit Rico Folgner für Information und Kommunikation zuständig, stimmt zum Teil zu. Es stehen alle Wege offen, doch man muss sie auch nutzen. Es fehle an einem klaren Kommunikationskonzept, es fehle an Mitarbeitern, die sich hauptsächlich darum kümmern. Die Zeit ist schnelllebig geworden und jeder erwartet, gerade aus der Verwaltungsebene, eine schnelle Information. In seinen Augen reiche es nicht aus, einfach nur auf das Ratsinformationssystem zu verweisen. Es dauert einfach zu lange, um hier die gewünschten Informationen zu finden, zumal Beschlusstexte in den Protokollen oft nur das Formale wiedergeben. Die FWG werde sich darum dafür einsetzen, dass endlich klare Kommunikationsleitlinien eingeführt und eingehalten werden, die zahlreichen Informationskanäle inhaltlich zusammenfließen. Notfalls müsse eben auch mal ein Externer her, der die Stadt fit für eine kommunikative Zukunft macht.
FWG-Fraktionsvorsitzender Andreas Dietz resümierte zum Abschluss des Abends, dass diese Form der Bürgerbeteiligung, also eine offene Diskussion mit einer Fraktion, durchaus geeignet ist, Lugau, Erlbach-Kirchberg und Ursprung voranzubringen. Aus der Vielzahl von Wortbeiträgen entnehme er, dass es Bedürfnisse bei den Einwohnern gibt, die angesprochen werden wollen, wegen denen sich aber kaum einer direkt an die Stadtverwaltung wendet, weil sie vermeintlich „zu klein“ sind oder man fürchtet, kein Gehör zu finden – genau so war es an dem Abend auch angeklungen.
Das Format der öffentlichen Sitzung könnte durchaus noch besser besucht werden, aber vielleicht spricht es sich ja herum. Transparenz und Nähe zu den Einwohnern sind der FWG oberste Anliegen. Sie tun etwas dafür. Und so wird eine weitere öffentliche Sitzung vorbereitet.